Pendel, Taschenuhr & Co.: Hypnose-Hilfsmittel richtig einsetzen

Viele Menschen denken bei einer Hypnose direkt an den fixierenden Blick eines Hypnotiseurs und die Taschenuhr, welche hin und her schwingt. Ein Klischee, das es nicht ohne Grund gibt.

Aber, warum funktioniert die Taschenuhr überhaupt?

Bei meinen Hypnosen nutze ich solche Hilfsmittel regelmäßig. Nicht etwa, weil diese Hypnose-Hilfsmittel etwas „Magisches“ haben. Sondern weil Sie etwas im Kopf meiner Hypnose-Subjekte auslösen.

In diesem Artikel zeige ich dir, welche Tools ich verwende, wie ich sie einsetze und worauf es wirklich ankommt, wenn du sie sinnvoll in deine eigenen Hypnosen integrieren möchtest.

Der Artikel ist gleichzeitig der Start für eine YouTube-Reihe, in der ich nach und nach einzelne Hilfsmittel und ihre Anwendung genauer vorstelle. Inklusive konkreter Ideen, wie du diese selbst nutzen kannst.

Warum überhaupt Hypnose-Tools nutzen?

Natürlich kann man eine Hypnose auch komplett ohne irgendwelche weiteren Hilfsmittel machen. Allerdings kann der Einsatz verschiedener Hilfsmittel die Wirkung einer Hypnose deutlich verstärken.

Ein zentraler Grund dafür ist die Erwartungshaltung der Person, die hypnotisiert wird.
Hypnose funktioniert unter anderem dadurch, dass das Gehirn das, was es erwartet, leichter annimmt und verstärkt erlebt.

Wenn jemand das klassische Bild der Taschenuhr im Kopf hat und genau so hypnotisiert wird, entsteht sofort ein Gefühl von „Das passt“. Das erzeugt Vertrauen und Bereitschaft, sich auf die Erfahrung einzulassen.

Aber auch unabhängig von solchen Klischees haben Hilfsmittel eine klare Funktion:
Sie bündeln Aufmerksamkeit und geben dem Erleben eine konkrete Form.

Stell dir ein Rollenspiel vor, in dem eine Person den Kinky Doktor spielen soll. Einmal ist die Person ganz alltäglich gekleidet und einmal mit Doktorkittel und Stehtoskop. Selbst wenn beide die Rolle genau gleich spielen, kann man bei der zweiten Person viel eher in die Situation einzutauchen.

Genau das passiert auch in der Hypnose.
Hilfsmittel liefern dem Gehirn Ankerpunkte, an denen es sich orientieren kann. Eine Zuckerpille für das hypnotische Drugplay, eine Taschenlampe, um alle Gedanken wegzuleuchten, oder eben eine Taschenuhr, um die Zeit einzufrieren. All diese Dinge machen das Erleben greifbarer und intensiver.

Für mich sind Hypnose-Tools daher mehr als nur Spielerei. Sie sind ein bewusst eingesetztes Mittel, um die Hypnose für mein Hypnose-Subjekt besser und intensiver zu gestalten.

Die wichtigsten Hypnose Hilfsmittel

Grundsätzlich kannst du fast alles zu einem Hypnose-Tool machen.
Einige Hilfsmittel haben sich für mich jedoch besonders bewährt, entweder weil sie stark mit Hypnose assoziiert werden oder weil ich diese selbst gerne verwende.

Im Folgenden zeige ich dir eine Auswahl von Tools, die ich selbst regelmäßig nutze.

Taschenuhr

Natürlich geht es gar nicht anders. Wir müssen hier einfach mit der Taschenuhr anfangen. Viele Fotos, so ziemlich jeder Film mit einer/einem Hypnotiseur:in zeigt diese irgendwann mit einer Taschenuhr, welche für die Induktion (der „Einleitung“ in eine Hypnose) genutzt wird. Eigentlich könnte hierfür auch alles andere genutzt werden, was man vor den Augen der zu hypnotisierenden Person schwingen kann, allerdings ist das Klischee so verbreitet, dass es sich lohnt, eine Taschenuhr dafür zu haben.

Es geht sogar so weit, dass ich schon zu hören bekommen habe: „Hast du keine Taschenuhr? „Ich dachte, du bist Hypnotiseur?“ Ein Glück, dass ich eine ganze Sammlung habe, vermutlich bin ich nur deswegen so gut mit Hypnose. 😅

Die Taschenuhr kannst du am einfachsten bei der Induktion verwenden. Sag deinem Subjekt, er oder sie soll auf die Uhr schauen und den Kopf dabei ruhig halten. Nur die Augen folgen der Uhr. Dann schwingst du die Taschenuhr, circa eine Armlänge von der Person entfernt, hin und her. Das Ganze ist dann eine sogenannte „Augenfixierungsinduktion“. Für die Induktion könntest du Folgendes sagen:

Achte auf die Taschenuhr und folge ihr mit deinen Augen. Der Kopf bleibt ruhig nur die Augen gehen hin … und her … Mit jedem hin … und her … kannst du merken, wie alles andere um dich herum an bedeutung verliert, wie deine Aufmerksamkeit immer mehr auf die Taschenuhr gelenkt wird, wie deine Augen immer müder und schwerer werden, wie meine Worte dich immer tiefer in diese Trance leiten, und mit jedem hin … und her … sinkst du tiefer und tiefer, bis die augen schließlich so schwer sind, dass sie sich ganz schließen so angenehm, immer tiefer, genau so …

Pendel

Als nächstes Hilfsmittel haben wir ein Pendel. Das könnte genau wie die Taschenuhr verwendet werden. Dabei kannst du dasselbe sagen wie oben, nur dass du das Wort „Taschenuhr“ durch „Pendel“ ersetzt.

Allerdings kannst du das Pendel auch noch für andere Zwecke nutzen. Du kannst es deinem Subjekt in die Hand geben. Sagen, dass der Ellenbogen auf dem Tisch oder der Armlehne abgestützt werden soll. Erkläre dann, dass das Pendel nach vorne und hinten für ein Ja schwingt. Nach links und rechts für ein Nein. Sag deinem Subjekt, er oder sie soll sich auf das Pendel konzentrieren und nur die Fragen, die du gleich stellst, immer wieder im Kopf wiederholen, bis das Pendel die Antwort gibt.

Dann kannst du mit einfachen Fragen anfangen wie:

  • „Ist dein Name xy?“ [xy durch den Namen der Person ersetzen]
  • „Ist heute der xx?“ [xx durch den Wochentag oder das Datum ersetzen]

Nach zwei bis drei Fragen kannst du dann erklären, dass das Pendeln die Person hypnotisieren kann. Dabei kannst du dann Folgendes sagen:

Konzentriere dich nochmal auf das Pendel. Du kannst dich überraschen lassen, wann das Pendel anfängt zu kreisen. Und du wirst feststellen, sobald das Pendel anfängt zu kreisen, ist es so, als würden deine Gedanken in dieses Pendel gesaugt werden. Wie ein Wirbelsturm der deine Gedanken einfängt. Mit jedem Gedanken der verschwindet. Mit jedem kreis den das Pendel macht, kannst du merken, wie du anfängst in eine Trance zu sinken. Je weiter das Pendel kreist, desto schneller sinkst du, desto angenehmer wird diese Hypnose. Je tiefer du sinkst, desto schwerer werden auch deine Augen, und sobald deine Augen geschlossen sind, kann auch dein Arm anfangen zu sinken. Und je tiefer dein Arm sinkt, desto tiefer gehst auch du in diese Trance.

Metronom

Manchmal kann man als aktiv hypnotisierende Person ja auch ein wenig faul sein. Da ist ein Metronom genau das Richtige. Der Vorteil von einem Metronom ist, dass das Subjekt sich sowohl visuell, als auch auditiv darauf konzentrieren kann. Auch hier wieder genutzt für die Induktion oder alternativ zum Fraktionieren. (Unterbrechen und Neustarten einer Hypnose, wodurch diese noch tiefer/intensiver wird.)

Meine Empfehlung ist es, hierbei das Metronom so einzustellen, dass der Takt möglichst langsam ist, probiert hier aber gerne etwas aus. Was für eure Sessions am besten funktioniert. Meine Suggestionen bei einer Fraktionierungsinduktion könnten wie folgt sein:

Richte deinen Blick auf das Metronom und gleich, wenn ich es starte, wirst du bei jedem Geräusch, bei jedem hin und her, die Augen schließen und dich noch weiter entspannen, oder die Augen öffnen und für einen Moment aus der Hypnose heraus kommen, nur um beim nächsten Geräusch, wenn du wieder die Augen schließt, noch tiefer zu sinken [Metronom starten, einen Tick machen lassen, dann mit der Hand festhalten] Du kannst die Augen schließen, kannst dir erlauben zu spüren, wie schon dieses erste hin, dieses erste Geräusch, dich ganz leicht in einen Trance bringen kann. [Einmal Tick machen lassen, dann wieder festhalten] Du kannst die Augen wieder öffnen, kommst fast ganz wieder aus dieser ersten Mini Trance heraus. [Sobald augen auf, direkt wieder ein Tick machen lassen] Augen zu, noch tiefer, noch angenehmer… Ich werde gleich, das Metronom einfach ticken lassen, bei jedem Geräusch machst du entweder die Augen auf, oder machst sie zu und sinkst noch tiefer in diesen Moment, die Augen immer auf das Metronom gerichtet [ein paar Mal hin und her schwingen lassen, gerne auch kurz mit der Hand unterbrechen um den Rhytmus zu verändern] [Wenn ein paar Mal gemacht, den Tackt nach und nach durch Unterbrechungen verlangsamen, dass immer seltener die Augen geöffnet werden, aber immer sofort wieder geschlossen werden] Und in wenigen Momenten, nur noch ein paar Mal hin und her, wird das Metronom ganz zum stehen kommen, und dann, wenn der Takt ganz aufhört, wirst du feststellen, wie ein Sog dich ganz tief in diese Hypnose zieht, und du dich einfach fallen lassen kannst. [Noch 2 oder 3 Mal hin und her ticken lassen und wenn augen geschlossen sind das Metronom dann ganz stoppen.]

Ungewöhnliche Hypnose-Hilfsmittel

Neben den typischen Tools gibt es aber auch sehr Kink-spezifische Hilfsmittel. Als Beispiel nehme ich die selbstgebastelten Zuckerpillen. Diese bestehen aus Pillen der Größe 00 und sind mit Zuckerkügelchen gefüllt, damit also prinzipiell harmlos. (Ich hatte hier „Glimmer Zucker“ und „Mini Perlen“ bestellt.) Diese können allerdings mit den verschiedensten Effekten belegt werden, welche durch die Einnahme der Pille dann getriggert werden. Die Effekte sind dabei so vielfältig wie eure Vorstellungskraft. Trotzdem hier ein paar Beispiele:

  • Die Mindless-Pill (keine Gedanken mehr, einfach nur noch ein Körper sein)
  • Die Horny-Pill (die Geilheit steigt mit jedem Moment)
  • Die Freeze-Pill (keine Bewegung mehr Möglich)
  • Die Drug-Trip-Pill (ein maßgeschneidertes Drogen-Erlebnis, ganz ohne illegale Substanzen)

Dabei wird in der Hypnose die Pille mit einer Wirkung belegt und die Pille kann dann jederzeit genommen werden und ihre Wirkung entfalten. Vor der Hypnose zeige ich meinem Subjekt schon mal eine der Pillen. Am Beispiel einer Horny-Pill wären meine Suggestionen wie folgt:

[Das Subjekt ist an dieser Stelle bereits in Hypnose] Du kannst jetzt an die Pille denken, die ich dir gerade gezeigt hatte. Daran, welche Farbe diese hatte und wie es wohl wäre, diese in den Mund zu nehmen, schon auf deiner Zunge zu spüren, dass diese etwas mit dir machen wird. Daran zu denken, wie du die Pille schluckst, und nach ein paar wenigen Momenten die Wirkung anfangen kann. Wie sich ein Gefühl in deinem Magen ausbreitet, wie der Wirkstoff sich in deinem Körper verteilt, und du spüren und bemerken kannst, wie deine Geilheit anfängt sich zu melden. Wie du erste Regungen der Lust in deinen Körper merken kannst. Eine Lust, die sich mit jeder Minute, mit jeder Sekunde immer weiter in deinem Körper ausbreiten wird, wann immer du eine dieser [Farbe ersetzen] Roten Horny Pills zu dir nimmst. Schon alleine daran zu denken, wie du diese Pille schluckst, kann etwas in dir auslösen, kann dafür sorgen, dass die Lust in deinem Körper stärker wird. Und jedes Mal, wenn du diese Pille schluckst, wird die Wirkung stärker, intensiver, lustvoller. Und wenn dein Unterbewusstsein aktzeptiert hat, dass diese Pille dich immer geiler machen wird, so lange, bis du irgendwie zu einem Orgasmus gekommen bist, kannst du mir jetzt mit einm lächeln zeigen, dass diese Pille, wann immer du sie zu dir nimmst, dich so lange immer geiler und geiler macht, bist du dich irgendwie zu einem Orgasmus bringen konntest. [Auf ein Lächeln warten] Sehr, sehr gut.

Danach können noch andere Suggestionen gegeben werden, oder die Hypnose beendet werden. Ich empfehle, nicht zu viele neue Trigger auf einmal zu setzen. Besser ist es, nicht mehr als 2 oder 3 Trigger in einer Session neu zu erstellen. Danach diese testen und erst wenn diese sicher funktionieren, zu den nächsten übergehen.

Fazit

Auch wenn man so ziemlich alles für eine Hypnose nutzen kann, empfehle ich, bei den „Klischee“ Tools zu bleiben, oder etwas zu nehmen, was zur entsprechenden Szene passt, die du in deiner Hypnose-Session aufbaust. Ich persönlich probiere oft und gerne mit neuen Hilfsmitteln herum, einfach weil ich sehr viel Spaß dabei habe. Manche nutze ich dann regelmäßig, andere nur selten.

Probier doch einfach mit den Menschen, die du hypnotisierst, ein wenig herum und finde heraus, was für euch gut funktioniert.

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten auf meinem YouTube Kanal verschiedene meiner Tools vorstellen. Bei jedem Video werde ich das Gadget zeigen, erklären, wofür ich es nutze und was man dabei an Suggestionen nutzen kann.

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